Gastbeitrag "Abschiedsritual - ja oder nein?"
Liebe Leser,
Nana war so nett, mir ihre Gedanken zu einem Abschiedsritual aufzuschreiben. Ich habe selbst mal darüber nachgedacht, eins zu machen, war mir aber nicht sicher, und ihre Meinung dazu finde ich wirklich sehr interessant, auch wenn manche Punkte für mich noch eher weiter entfernt liegen. Auf jeden Fall stellen sie gute Zielvorstellungen dar.
Hier ist ihr Artikel:
"Abschiedritual für den verlorenen Zwilling – ja oder nein?
Manche Therapeuten empfehlen, ein Abschiedsritual zu zelebrieren um sich von seinen gestorbenen Geschwistern zu verabschieden. Vielleicht auch um den Tod zu begreifen oder um endlich damit abschließen zu können, dass sie gegangen sind und wir alleine unser Leben meistern sollen.
Ich selbst habe dieses Ritual auch probiert. Es war sehr halbherzig und irgendwie spürte ich wohl damals schon, dass es nicht stimmig ist, das zu tun.
Nach ein paar Monaten buddelte ich meine Sachen, die ich mit meinen drei Geschwistern verbinde, und die ich tatsächlich begraben hatte, fast schuldbewusst wieder aus, bat sie um Verzeihung und nahm sie wieder in mein Leben auf.
Ich finde, es ist nicht nötig, sich von seinen toten Geschwistern zu verabschieden. Sie sind eh immer um uns und rückblickend finde ich es nicht nur falsch, mich von ihnen zu verabschieden, sondern auch irgendwie albern.
Ich verabschiede mich von meinem Schutzengel ja auch nicht… mal ganz abgesehen davon, dass das gar nicht funktionieren würde.
Meiner Meinung nach kann es nicht funktionieren, sich von seinen Geschwistern zu verabschieden.
Sie sind bei mir, sie sind meine geistigen Helfer und das wird immer so sein, bis ich auch in die andere Welt hinüber gehe.
Wenn ich ein Abschiedsritual zelebriere, dann konzentriere ich mich auf die toten Geschwister, darauf dass sie nicht mit mir ins Leben gegangen sind und auf den Schmerz und den Verlust.
Ich glaube, es ist wichtiger sich umzudrehen und auf das Leben zu schauen, nicht auf den Tod.
Solange ich auf den Tod schaue, solange werde ich nicht glücklich werden und daran wird auch ein Abschiedsritual nichts ändern.
Wichtig ist, eine Entscheidung zu treffen.
Entscheide dich FÜR das Leben.
Hör auf, darüber nachzudenken, wie du den Verlust verarbeiten könntest, was du tun solltest oder was nicht. Hör auf darüber nachzudenken, warum deine Geschwister gegangen sind und warum du das erleben musstest und wie du das auflösen könntest.
Lebe einfach. Lebe jede Minute, jede Stunde, jeden Tag. Tu was dich erfüllt. Jeden Augenblick.
Lebe was du spürst.
Ich glaube, zu viel nachzudenken, hindert uns am Leben und verhindert, dass wir im Fluss des Lebens sind. Wenn man sich dem Leben zuwendet, können Energien fließen, Dinge können geschehen. Wenn wir nur nachdenken, was wir tun könnten, wie wir verarbeiten könnten, wird gar nichts geschehen, der Fluss des Lebens steht. Und wenn er zu lange steht wird er faul. Wenn du einen Fluss am Fließen hinderst, dann wird das Wasser mit der Zeit faulig und ist nicht mehr zu gebrauchen. Ein fließendes Gewässer ist immer frisch und klar.
Genauso ist es mit dem Leben. Zu lange stehen zu bleiben und nachzudenken, darüber was war, was ist, wie ich damit umgehe, was es mit mir macht und wieder von vorne und noch einmal und noch einmal, das hindert uns am Leben.
Sobald wir uns für das Leben entscheiden, wird es uns besser gehen. Unsere Geschwister werden froh sein, wenn wir endlich unseren Weg gehen und nicht mehr auf sie in der anderen Welt schauen.
Wie kann man sehen, wie toll das Leben ist, wenn man nur auf den Tod schaut?
Wie kannst du sehen, was auf einem riesigen leckeren Buffet aufgebaut ist, das dir zur freien Verfügung steht, an dem du dich nach Belieben bedienen kannst, wenn du mit dem Rücken dazu stehst?
Du schaust auf den Tod, während deine Geschwister sich nichts sehnlicher wünschen, als dass du dich endlich einfach umdrehst und dein Leben genießt.
Wir versuchen immer problematische Dinge mit dem Kopf zu klären. Wir suchen im Kopf eine perfekte Lösung und wundern uns, wenn wir keine finden. Es gibt keine. Die einzige Lösung die funktioniert, ist handeln. Sich für das Leben entscheiden.
Man kann im Kopf durch Nachdenken oder durch Rituale nicht den Schmerz eines Verlustes auslöschen. Aber man kann lernen, trotz des Verlustes zu leben. Doch das funktioniert meiner Meinung nach nur, wenn man einfach anfängt zu leben.
Ich will nicht mehr trauern, ich will nicht mehr darüber nachdenken, warum meine Geschwister gegangen sind und ich will sie nicht verabschieden. Für mich hat dieses Abschiedsritual damals nichts geändert. Ich fand es hinterher albern und nicht stimmig. Ich musste regelrecht den Kopf über mich schütteln, was ich mir da wieder mal habe einreden lassen.
Unsere Geschwister haben uns ins Leben begleitet, d.h. es waren da eine oder mehrere Seelen mit uns auf dem Weg. Bei mir waren es drei und sie sind immer noch bei mir, eben nicht in einem irdischen Körper, sondern als geistige Wesen.
Sicher hat es auch mit uns zu tun, dass wir diese Begleitung gebraucht haben. Ich stell mir immer vor, die da oben oder Gott oder das Universum (wie auch immer man das nennen mag), sie haben uns auf die Welt geschickt, damit wir unser Leben leben. Da vielleicht besondere Aufgaben auf uns warten und wir ein wenig Starthilfe und Begleitung benötigten, gaben sie uns unsere Geschwister mit, damit alles ein wenig LEICHTER für uns wird.
Und was machen wir? Wir schauen ständig zurück, wir schauen in den Tod, wir beklagen das Leben, wir bedauern den Verlust...und die da oben schütteln den Kopf und fragen sich, wann wir endlich kapieren und anfangen zu leben.
Sei dankbar für deine Geschwister und genieße sie als wunderbare geistige Helfer.
Ich liebe sie so sehr und bin froh dass es sie gibt. Doch meine Konzentration liegt nicht mehr auf ihnen. Das ist nicht der Sinn des Lebens, auf den Tod zu schauen.
Ich vertraue darauf, dass alles schon richtig ist, so wie es ist.
Wenn wir ewig auf den Tod schauen und immer bei den toten Geschwistern hängen bleiben, dann ist das so als ob die ganze Aktion völlig umsonst war.
Ich finde, wir brauchen eher ein Ritual für uns selbst, ein Willkommen-im-Leben-Ritual, damit wir aufhören über unsere toten Geschwister nachzudenken und nur auf sie zu schauen.
Wir sollten leben, etwas tun das uns Freude macht und es genießen. Unsere Geschwister haben bereits ihren Platz, WIR müssen unseren endlich einnehmen, hier, in dieser Welt!
Das Beste um damit anzufangen ist, einfach zu tun, was man gerne macht. Iss worauf du Appetit hast. Tu was dir Freude macht. Geh spazieren, wenn du Lust dazu hast. Zeichne, singe, tanze, wenn dir danach ist. Lese, wenn dir Lesen in den Sinn kommt. Ruhe dich aus, wenn du müde bist.
So wirst du langsam wieder ins Leben gleiten und deine Geschwister werden jubeln und tanzen, wenn sie sehen, dass du endlich begriffen hast."
- von Nana